Kulturgüter

Igeler Säule – Goethe war auch schon da!

In Igel einer kleinen Ortsgemeinde im Trierer-Land, am linken Moselufer gelegen, nahe der Grenze zu Luxemburg, steht das größte und besterhaltene spätrömische Pfeilergrabdenkmal nördlich der Alpen – die Igeler Säule.

Igeler Säule PMDie Igeler Säule war zur römischen Zeit nicht das einzige Grabdenkmal an der Römerstraße Metz-Trier, die ein Teilstück der Via Agrippa war. Es wurden zahlreiche Grabmale, Steinsärge und Reliefsteine gefunden, die man heute im Rheinischen Landesmuseum in Trier besichtigen kann. Die Igeler Säule wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. von einer ansässigen, wohlhabenden Tuchhändlerfamilie der Secundinier errichtet. Das Pfeilerdenkmal sollte nicht nur an die Toten der Familie erinnern, es war auch Ausdruck eines erfolgreichen, stolzen und glücklichen Familien- und Geschäftslebens.

Das 23 Meter hohe reliefgeschmückte Pfeilermonument aus rotem Sandstein wurde etwa um 250 von den Brüdern der Secundinier-Familie für sich und ihre verstorbenen Angehörigen errichtet. Neben Alltags- und Berufsleben der wohlhabenden Tuchhändlerfamilie zeigt es auch Szenen aus der Mythologie. Auf der Pfeilerspitze ist eine Adlerskulptur mit ausgebreiteten Flügeln angebracht. Vom lateinischen Wort Adler (aquila) hat der Ort Igel vermutlich auch seinen Namen erhalten. Auch Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hätte dieses einzigartige Monument nie zu Gesicht bekommen, hätte er nicht im Sommer 1792 wegen gewisser zeitlicher Umstände diese Region besucht.

Auf Bitten seines Dienstherrn Carl August kam Goethe dessen Aufforderung nach, ihn bei der Kampagne in Frankreich zu begleiten, was Goethe alles andere als recht war. Als Goethe Mitte August dieses Jahres durch das Militärgebiet entlang der Mosel fuhr, befiehl ihn ein Unbehagen, denn je weiter er nach Westen vordrang, umso größer wurde der Strom der französischen Flüchtlinge. Auf seiner Weiterfahrt von Trier nach Frankreich ließ er am 26. August seine Kutsche direkt vor der Igeler Säule anhalten und war sich vom ersten Augenblick der kunsthistorischen Bedeutung dieses Monuments bewusst.

Als Goethe auf seiner Weiterreise noch einmal an der Igeler Säule vorbei kam, beschrieb Goethe: Doch ein herrlicher Sonnenblick belebte soeben die Gegend, als mir das Monument von Igel wie der Leuchtturm einem nächtlich Schiffenden entgegenglänzte. Vielleicht war die Macht des Altertums nie so gefühlt als an diesem Kontrast: Einem Monument, zwar aus kriegerischen Zeiten, aber glücklicher siegreicher Tage und eines dauernden Wohlbefindens rühriger Menschen in dieser Gegend. …”
(Aus: Johann Wolfgang von Goethe: Campagne in Frankreich, 22. Oktober 1792)

Im Jahre 1829 vermassen die Ingenieure Osterwald und Zumpft, im Auftrag der Sayner Hütte, die Igeler Säule und ließen Bronze-Abgüsse eines verkleinerten Modells anfertigen. Eines dieser Exemplare machten sie Goethe zum Geschenk. Der als Dank in einem Schreiben ausdrücklich die Verbreitung eines so bedeutenden Kunstwerkes durch Abgüsse befürwortet. Im November 1986 wurde die Igeler Säule zusammen mit den wichtigsten römischen Baudenkmälern der Stadt Trier auf die UNESCO Welterbe Liste gesetzt.

 

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Print Friendly, PDF & Email

Hits: 180