Kurfürstliches Palais Trier – Einer der schönsten Rokoko-Schlösser der Welt

Das Kurfürstliche Palais in Trier erstrahlt in einem zartrosa neben der Konstantin-Basilika und gehört zu den schönsten Rokoko-Schlössern weltweit. Es war vom 17. Jahrhundert bis 1798 Residenz der Trierer Erzbischöfe und wurde zum Teil auf der Grundfläche der römischen Konstantin-Basilika erbaut.

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Kurfürstliches Palais

Lange Zeit nutzten die Trierer Bischöfe die prächtige Konstantinbasilika der römischen Kaiser als Burg. Nach vielen Jahrhunderten entsprach der Bau nicht mehr den Bedürfnissen und dem Geschmack der Kurfürsten. Kurfürst Johann von Schöneburg plante deshalb ein Schloss im Renaissancestil. Er ließ um die Basilika die Wohngebäude abreißen um den notwendigen Platzbedarf für den Neubau zu gewinnen. Unter seinem Nachfolger Lothar von Metternich entstand in der Zeit von 1615-1676 ein Schloss im Stil der Spätrenaissance. Er plante ein Anlage bestehend aus Hoch- und Niederschloss, in dem das vierflügelige Hochschloss mit Wohn- und Repräsentativräumen um einen quadratischen Innenhof angelegt werden sollte sowie ein Niederschloss mit Wirtschaftsräumen. Der Bau begann mit dem Hochschloss das an und in die Konstantinbasilika gebaut wurde. Um 1615, nach der Grundsteinlegung, wurde bis zum Tode Lothar von Metternich der Nord- und Ostflügel begonnen.

IMG_6026Erst von seinem Nachfolger Kurfürst Philipp von Sötern wurde das Schloss fertiggestellt und mit dem Bau des Niederschlosses begonnen. Die Bauarbeiten für das Niederschloss mussten für viele Jahre wegen Gefangenschaft des Kurfürsten im Dreißigjährigen Krieg durch die Habsburger niedergelegt werden. Nach der Freilassung des Kurfürsten von Sötern wurde das Schloss fast fertig gestellt. Erst unter seinem Nachfolger Karl-Casper von der Leyen wurde der Bau des Schlosses vollendet. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurde es den Kurfürsten in Trier zu unsicher und sie verlegten ihre Residenz nach Koblenz. Erst mit dem Umzug des Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff nach Trier, der 1756 Balthasar-Neumann beauftragte, den Südflügel des Palastes nach dem Zeitgeschmack des Rokoko umzubauen und zu erweitern, wurden weitere Baumaßnahmen durchgeführt. Bis 1798 diente das Kurfürstliche Palais den Kurfürsten von Trier als Residenz.

IMG_6034Als König Friedrich Wilhelm IV. mit seinen preußischen Truppen Trier eroberte sah er keine Veranlassung das Palais den katholischen Kurfürsten wieder zu übereignen. Bis zu seinem Rückzug im Jahre 1918 wurde das Palais als Kaserne für die preußischen Truppen genutzt. Außerdem entschied König Friedrich Wilhelm, die römische Konstantinbasilika wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen und der protestantischen Gemeinde von Trier als Kirche zu übergeben. In den Jahren 1841-1862 wurde die Basilika unter Carl Schnitzler wieder in ihren Ursprungszustand versetzt, was zu weitreichenden baulichen Veränderungen des Palais führte. Nach dem ersten Weltkrieg bis zum Ende der französischen Besatzung blieb das Palais Kaserne. Im Zweiten Weltkrieg wurde es sehr schwer beschädigt und die beiden Flügel des Niederschlosses wurden fast vollständig abgerissen. Im Jahr 1955 zog im Gebäude des Hochschlosses die Bezirksregierung Trier ein und nach ihrer Auflösung im Jahr 2000 ist es Sitz der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).

Palastgarten und der Trierer Schalk Weißebach

IMG_6038Zur Zeit der Kurfürsten lag in südlicher Richtung des Palais ein Park. Der Park wurde 1794 während der französischen Besatzungsmacht in einen öffentlichen Park umgewandelt. In der Zeit als das Palais als Kaserne diente wurde das südliche Gelände, das bis zu den Kaiserthermen reichte, als Exerzierplatz genutzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollte die Stadt Trier das Areal als öffentliche Gartenanlage herrichten lassen, was aber an finanziellen Mitteln scheiterte. Erst durch die Stiftung des schalkhaften Trierers, Privatiers und Mitbesitzer des Weinguts Kanzemer Berg, Peter Franz Weißebach, konnte die Stadt Trier das Areal in eine Gartenanlage umwandeln.

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Der Schalk Franz Weißebach

Dieser setzte die Stadt Trier testamentarisch zu seiner Erbin ein. Sein vererbtes Vermögen verknüpfte der Schalk aber mit einer Bedingung: Das Geld aus dem Verkauf sollte für den Bau eines Krematoriums auf dem Trierer Stadtfriedhof verwendet werden, was natürlich in dem erzkatholischen Trier zur damaligen Zeit fast undenkbar war. Ein Ausweg aus diesem Desaster bot eine zusätzliche Klausel im Testament:  Wenn die Trierer Stadtverordnetenversammlung den Bau des Krematoriums für 5 Jahre lang jeweils ablehne, konnten die Mittel für einen Volkspark verwendet werden. Daraufhin setzte der Stadtrat den Krematoriumbau jedes Jahr auf seine Tagesordnung und stimmte jedes Mal dagegen und so konnte bei der letzten Ablehnung das Vermögen  für den Bau des Palastgartens benutzt werden. Im Nachlass des Trierer Schalkes befanden sich ausserdem 3 Fuder seines Weines „Kanzemer Berg“, der wegen seiner sehr guten Qualität Jahrhundertwein genannt wurde. Der Wein stellte einen beachtlichen Wert da und wurde im Zusammenhang mit dem Krematoriumfrage auch „Krematoriumswein“ genannt.

Weitere Informationen: Tourist-Info Trier

 

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