Bergtouren

Über den Santnerpass ins Reich von König Laurin – Unterwegs im Rosengarten

26. Februar 2017

Der Santnerpass-Klettersteig zählt zu den schönsten in den Dolomiten. Er wurde als Zugang von der Rosengartenhütte (Kölner Hütte) zum 2760 Meter hohen Santnerpass und zu den Vajolettürmen angelegt. Er verläuft entlang der Rosengarten-Westwand über mehrere Scharten und Rinnen nördlich ansteigend zum Santnerpass. Kombiniert man diese Tour mit dem Gartl und Tschagerjoch so ergibt sich eine landschaftlich eindrucksvolle Tagestour um das Rosengartenmassiv.

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Für Bergsteiger und Dolomitenkenner ist der berühmte Bozener Bergpionier Johann Santner eine feste Größe. Er verstarb im Jahr 1912 im Alter von 72 Jahren. Er wurde vor allem Berühmt für seine Erstbesteigung des riesigen Schlernzacken, Santnerspitze, die er alleine und ohne Seil, zum Teil Barfuß kletternd am 2. Juli 1888 eroberte. Diese alpinistische Tat hat ihn unsterblich gemacht. Johann Santner wurde 1840 in St. Jakob im Defereggental als Bauernsohn geboren und war gelernter Uhrmacher. Seinen Lebensunterhalt verdiente er mit dem Verkauf und Versand von Bergblumen. Aus seinem Tourenbuch gehen  rund 60 führerlose Erstbegehungen und Erstbesteigungen hervor.

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Es ist ein schöner Morgen als wir mit dem Laurinlift II von der Frommeralm zur Rosengartenhütte hinauf schaukeln. Das Tal liegt noch unter einem weißen, dichten Wolkenteppich und die umliegenden Gipfelspitzen der Bleichen Berge blinzeln in ein strahlendes Himmelsblau. Wir können es kaum erwarten den Dolomitenfels zwischen unseren Fingern zu spüren und immer weiter nach oben zu steigen. Uns ergreift eine unwiderstehliche Lust und das Blut im Körper beginnt zu pulsieren. Hinter der Rosengartenhütte steigen wir über einen 80 Meter hohen, drahtseilversicherten Felsaufschwung hinauf zu einer Weggabelung. Rechts geht es zum Tschagerjoch, wir halten uns links und steigen in nördlicher Richtung unter den westlichen Ausläufern der Laurinswand zum Einstieg des Klettersteigs.

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Über Schrofen und Rinnen im guten, kompakten Fels und teils auf Steigspuren klettern wir in nördlicher Richtung immer weiter nach oben. Über mehrere Felsvorsprünge, Felsrippen, enge Scharten und mit Felsblöcken gefüllten Rinnen im steilen Fels erreichen wir die höchste Scharte mit Blick auf zwei schlanke Felszacken. Von hier steigen wir hinunter in eine abbrechende Schlucht in die Schlüsselstelle des Klettersteigs, der Eisrinne, die zu diesem Zeitpunkt zu einem kümmerlichen, kleinen Firnfeld geschrumpft ist. Über einen gut gestuften, drahtseilversicherten Fels und  Schrofenhang erreichen wir den Santnerpass auf 2760 Meter.

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Vor uns erblicken wir die geschlossene und renovierte Santnerpass-Hütte. Wir legen unsere Klettersteigausrüstung ab und legen auf einem Felsvorsprung gegenüber der Laurinswand eine kleine Rast ein. Wir sind begeistert von dem einzigartigen Panorama rund um die Hütte und steigen hinunter zu den Vajolettürmen und zur Gartlhütte. Unsere Blicke schweifen hinüber zum Delagoturm, Stabelerturm und Winklerturm die in den stahlblauen Himmel hinein ragen und kühne Seilschaften versuchen sich an der schmalen, exponierten Delagokante. Hier hat die Natur eine filigrane Zinnen-Architektur erschaffen die jedes Jahr tausende von Bergbegeisterten anzieht und Millionen von Postkarten zieren.

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Weiter zieht es uns zur Almsiedlung Gardeccia durch das schöne Vajolettal nach Ciampediè, dem wohl allerschönsten Aussichtsbalkon von Vigo di Fassa. Von hier hat man einen herrlichen Blick hinüber zur Marmolada der „Königin der Dolomiten“ und zur Palagruppe. Über den wurzeligen, wunderschönen Fassaner-Höhenweg der durch Zirm- und Fichtenwald und an sehr interessanten Gesteinsinformationen vorbei führt machen wir uns auf den Rückweg. Ein letztes Mal steigt der Weg steil zur Pederiva-Hütte an. Über den  aussichtsreichen Hirzelweg kehren wir zur Rosengartenhütte zurück und ein schöner Kletter- und Wandertag neigt sich dem Ende.

 

Schwierigkeitsgrad Klettersteig: mittel

Ausgangspunkt: Rosengartenhütte

Wegstrecke:

Rosengartenhütte – Santnerpass-Klettersteig – Gartelhütte – Gartlschlucht – Vajolethütte – Gardeccia – Ciampediè – Fassaner-Höhenweg – Rosengartenhütte, ca. 6,30 bis 7 Stunden.

Variante:

Rosengartenhütte – Santnerpass-Klettersteig – Tschagerjoch – Rosengartenhütte, 6 Stunden.

Karte:

Tabacco 1: 25000, Blatt 029, Schlern-Rosengarten-Latemar

 

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