Hunsrück/Nahe

1. Etappe Soonwaldsteig – Von Kirn nach Bundenbach

Die erste Etappe auf dem Soonwaldsteig führt von Kirn, der Stadt der Fürsten und Gerber, mit seinem Fachwerk-Ensemble aus fünf Jahrhunderten zu den Quarzitklippen in Kallenfels, über den Naturerlebnispfad zum Schloss Wartenstein und durch das Hahnebachtal nach Bundenbach.

Zeit der Stille! Unterwegs auf dem Soonwaldsteig.

IMG_9560Das nennen wir einen Auftakt nach Maß. Nach einem reichhaltigen Frühstück mit knusprigen Brötchen, Croissants und einem Früchtemüsli im rustikalen Ambiente verlassen wir das Hotel „Alte Kellerei“, schultern unsere Rücksäcke und gehen los. Die Morgensonne  vertreibt allmählich die Schatten auf dem Marktplatz und bunte Sonnenstrahlen tanzen durch die Fenster des alten Fachwerks. Fünf Tage werden wir auf dem Soonwaldsteig unterwegs sein und die Vorfreude auf das Neue, Unbekannte noch nicht Gesehene erweckt großartige Gefühle in uns, fast wie bei einem Klassik-Open-Air, wenn der Dirigent die Bühne betritt, zum Orchester schreitet, seinen Taktstock erhebt und ein Meisterwerk menschlicher Schöpfungskraft mit der Ouvertüre beginnt.

IMG_9631Wir starten die Tour am St. Georg-Brunnen in Kirn, der harmonisch von einem Fachwerk-Ensemble aus fünf Jahrhunderten umrahmt wird. Tradition und Moderne treffen hier aufeinander und bilden eine gelungene Synthese. Drachentöter Georg schaut vom plätschernden Brunnen auf das geschäftige Treiben am Marktplatz und von irgendwo  ertönt ein Song von James Brown, „I feel good“. Was gibt es schöneres, als mit diesem beschwingten Gefühl unter einem strahlend blauen Himmel los zu gehen. Wir kehren der Nahestadt den Rücken und sagen Adieu! Nun geht es über den Hahnebach, einen kleinen Nebenfluss der Nahe, der zwischen dem Idarwald und dem Lützelsoon entspringt in Richtung Stadtteil Kallenfels.

„Berg und Burgen schaun herunterRings umglänzt von Sonnenschein“. (Heinrich Heine)

IMG_9609Über dem Ort erheben sich die Burgen „Stein“, „Kallenfels“ und „Stock im Hahne“, die um das Jahr 1150 erbaut wurden. Von den einst so prächtigen Burgen sind heute nur noch kümmerliche Mauerreste vorhanden, trotzdem können wir uns dem Zauber der alten Gemäuer nicht entziehen. Wir verweilen einen Moment, die Natur zeigt sich uns in allen Grünnuancen und unser Blick schweift hinüber zu den Kirner Dolomiten, ein Quarzitrücken der aus sieben Gipfeln besteht, der sich über die Baumkronen erhebt. Es ist einer der beliebtesten Klettergebiete im Rhein-Main-Gebiet , hier haben wir uns an vielen Wochenenden als „Homo verticalis“ an allen schwierigen Kletterouten versucht, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Jetzt bewegen wir uns fast nur noch in der Horizontalen, wandernd versteht sich, quasi als „Homo horizontalis“.

IMG_9639In weiter Ferne können wir bereits „Schloss Wartenstein“ erkennen, das Friedrich von Warsberg 1704 erbauen ließ aber bis dahin ist es noch ein gutes Stück. Der Weg zum Schloss verläuft über den „Naturerlebnispfad Schloss Wartenstein“. Von verschiedenen Waldstationen verläuft er  sternenförmig auf das Schloss zu. Zahlreiche Informationstafeln links und rechts am Wege geben Auskunft über die Bäume und Sträucher.Viele Buchen, Birken und Ahornbäume säumen den Weg neben vielen hünenhaften Eichen. Einer der Eichen ist dem Forstverwalter „Karl von Pidoll“ gewidmet. Er war der letzte ständige Bewohner auf Schloss Wartenstein und diente der Herrschaft von Warsberg als Forst- und Schlossverwalter. Viele Geschichten und Anekdoten ranken sich um ihn. Ihm werden wir später auf dem Schloss wiederbegegnen.

„Bäume sind Gedichte, die die Erde an den Himmel schreibt (Kalhil Gibram)

IMG_9654Nach einem kleinen Anstieg haben wir das Schloss erreicht. Hier treffen wir auf die Erlebniswelt  „Wald und Natur“. Im Fokus der ansprechend gestalteten Ausstellung steht natürlich die Natur des Lützelsoon, mit einem wichtigen Thema über den Niederwald und das Lohmachen. In einem ehemaligen Stall sind drei Lohmacher in Lebensgröße aufgebaut und zeigen den Besuchern in einzelnen Schritten die Kunst des Lohmachens. Im Kavaliershaus kann man den Niederwald in seinen verschiedenen Wachstumsphasen bestaunen und ein Landschaftsmodell verschafft uns einen Überblick über die Standorte der Schlösser und Burgen im Kirner Land. Im Gewölbekeller des Kavaliershauses taucht man in einen erdgeschichtlichen Zeittunnel ein und begibt sich auf eine Entdeckungsreise von Jahrmillionen. Exotische Fossilien aus dem Devon, Perm, Paläogen und Neogen bezeugen auf eindrucksvolle Weise den erdgeschichtlichen Wandel im Lützelsoon.

IMG_9667Von der Schlossterrasse genießen wir einen weiten Blick ins Hahnebachtal, auf die Kyrburg, die Ruine Steinkallenfels und die Kirner Dolomiten. Das Schloss kann man leider nicht besichtigen, dafür gibt es aber ein Schlossgespenst in der Gestalt des einstigen Amtmannes „Renauld von Wartenstein“. Er soll seine Untertanen so schlecht behandelt haben das er im Jenseits keine Ruhe mehr fand. Jede Nacht, so erzählt man sich, spukt er auf dem Schlossgelände herum und trägt seinen Kopf in der Hand. Gleich neben dem Forststübchen mit Andenken an den Förster Pidoll im Kavaliershaus ist die Informationsstelle des „Naturparks „Soonwald-Nahe“ untergebracht. Auf dem Waldlehrpfad wandern wir weiter in Richtung Hahnebach. Der Weg wird zunehmend schmaler und felsiger und bald haben wir das Steinbachtal erreicht.

IMG_9693Über einen schönen Wiesenweg erreichen wir die „Hunsrück Schiefer- und Burgenstraße“, sie schlängelt sich unauffällig am Rande der großen Touristenzentren durch den südlichen Hunsrück und das Kirner Nahetal und verbindet die Deutsche Edelsteinstraße und die Naheweinstraße. Wir wechseln die Straßenseite und folgen hinter der Leitblanke einem Pfad bergauf in den Wald hinein. Nun wandern wir immer in der Nähe des Baches durch ein tiefeingeschnittenes und idyllisches Tal und erreichen die Siedlung Rudolfshaus. Die Siedlung ist nach dem ersten Haus benannt, das Mitte des 19. Jahrhunderts von Rudolf Wirth gebaut und als Gastwirtschaft betrieben wurde. Hier wurde noch bis 1979 Schiefer abgebaut. Unweit der Siedlung gab es auch einige Mühlen zu denen die Birkenmühle, Reinhartsmühle und Neumühle gehörten.

Auf den Spuren von Jahrmillionen. Begegnung mit der Urzeit.

IMG_9796Nun begeben wir uns auf Spurensuche nach dem Grauen Gold, das hier in der Umgebung im Überfluss vorhanden war. Auf schmalen Pfaden wandern wir durch herrlichen Wald und an Felsen vorbei und kurz hinter der Reinhartsmühle führt der Steig durch zwei kurze spektakuläre Tunnel, die in das Schiefergebirge gehauen wurden. Die Schienen am Wegesrand sind stumme Zeugen einer bereits vergangenen Zeit des Schieferbergbaus, auf ihnen wurde der Schiefer auf Loren abtransportiert. Vergessen hat man die Schienen im Soonwald nicht, sie dienen als Erinnerung an die vielen Bergwerke die es hier einmal gab. Viele Menschen lebten einst in der Region von der schweren körperlichen Arbeit in den Schieferbergwerken und für viele war es auch die einzige Einnahmequelle.

IMG_9808Im „Besucherbergwerk Herrenberg“ das wir am Ende der Etappe erreichen, kann man von April bis Oktober an einer Führung teilnehmen. Hier erschließt sich einem die harte Arbeit des Bergmanns und die Welt der Fossilien aus einer grauen Vorzeit. Im angeschlossenen Fossilien-Museum kann man über hundert Exponate von den in Schiefer konservierten Muschel, Seelilien, Schnecken, Krebsen, Korallen und vieles mehr bewundern, die vor vielen Jahrmillionen den Meeresboden bei Bundenbach bewohnten. Es wurde auch ein geheimnisvolles Fossil entdeckt, das nach dem berüchtigten Räuberhauptmann benannt wurde. Das über 400 Millionen Jahre alte Fossil trägt die wissenschaftliche Bezeichnung „Schinderhannes bartelsi“.

IMG_9738Das Lebewesen gehörte mit einer Länge von zwei Metern zu den größten Urzeit-Räubern der Weltmeere und war mit Stachel bewehrten Greifarmen und großen Augen auf Beutefang. Bekannte Fundstellen liegen in Kanada, China, Australien und Grönland. In jüngeren Gesteinsschichten fehlten bisher fossile Nachweise darüber, so dass man annahm, dass dieses Lebewesen nach dem Kambrium ausgestorben war.  Schinderhannes hätte bestimmt seine Freude daran gehabt, dass ihn die Nachwelt so gut in Erinnerung hält. Er, der „Robin Hood“ des Hunsrücks war weder Philanthrop noch dem Volk  gesonnen und verbunden, er war ein eiskalter Ganove und Todschläger. Und dennoch ist er heute noch der einzige rheinische Räuber von dem man mit Begeisterung und Bewunderung spricht. Der Brunnen „Schinderhannes-Tränke“ auf dem Parkplatz Bundenbach unterhalb des Besucherbergwerks Herrenberg erinnert am Ende dieser Tour daran, dass er sich oft in Bundenbach herum getrieben hat.

 

Schwierigkeitsgrad: mittel

Wegstrecke: 14,8 Km

Gehzeit: 4,30 Stunden

Parken: Bahnhof Kirn (gebührenpflichtig)

ÖPNV: Regionalbahn von Trier bis Bahnhof Türkismühle, von dort nach Neubrücke an der Nahe und weiter nach Kirn

Unterkünfte Kirn:

  • Hotel-Restaurant Alte Kellerei, 55606b Kirn, Telefon: 06752/ 137753
  • Parkhotel Kirn, 55606 Kirn, Telefon: 06752/ 1376927
  • Gästehaus Franzmann, 55606 Kirn, Telefon: 131938

Unterkünfte Rudolfshaus:

  • Land-Gut-Forellenhof, 55606 Rudolfshaus, Telefon: 06544/ 373
  • Ferienwohnung Wirth, 55606 Rudolfshaus, Telefon: 06544/287
  • Gaststätte Birkenmühle, 55606 Rudolfsghaus, Telefon: 06544/ 612

Unterkünfte Bundenbach:

  • Pension Ulrike Theis, 55626 Bundenbach, Telefon: 06544/ 266
  • Privatzimmer Maria Klingels, 55626 Bundenbach, Telefon: 06544/ 1345

Taxi:

Taxi und Mietwagen Teichmann, Kirn; Telefon: 06572/ 96096, Kirn bis Simmerbachbrücke

 

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