Die zweite Etappe auf dem Soonwaldsteig führt vom Besucherbergwerk Herrenberg zur Keltensiedlung  Alteburg und auf den Bergrücken des Lützelsoons zu den herrlichen Aussichtspunkten des Teufelsfels und des Blickensteins ins wildromantische Simmerbachtal.
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Am  Besucherbergwerk Herrenberg beginnen wir die 2. Etappe auf dem Soonwaldsteig. Von hier steigen wir hinauf zu einem Plateau hoch über dem Hahnebachtal zur keltischen Burganlage „ Altburg“. Zwei janusköpfige Wächter empfangen uns am Eingang und lassen uns ohne Vorbehalt passieren. Sie sind, wie wir später erfahren, eine Hommage an die in Holzgerlingen im Landkreis Böblingen gefundenen Stelen. Viel wissen wir über die Kelten nicht, nur das sie Händler, Fürsten und Druiden waren. Schriftquellen haben sie keine hinterlassen, was die Arbeit der Archäologen erschwert. Alles was wir über die Kelten wissen haben wir Autoren in der Antike zu verdanken.Sie besaßen Handwerkliches Geschick und eine künstlerische Ader und haben fantastische Kunstwerke geschaffen und die besten Eisenschwerter ihrer Zeit. Fast tausend Jahre lebten und herrschten die Kelten über große Teile Europas.

„Überall wo Kelten waren, leben sie fort“.

IMG_9828Anhand der über 3000 Pfostenlöcher, die im weichen Schieferfels einst eingeschlagen waren, nimmt man an, dass die Höhensiedlung etwa 12 000 Quadratmeter einnahm. Die rekonstruierten Keltenhäuser lassen nur erahnen wie das keltische Leben im 3. Jahrhundert vor Christus aussah. Die Hütten waren karg ausgestattet und bestanden nur aus einem Raum mit offener Herdstelle, wo sich auch die ganze Familie versammelte. Zum Schlafen wurde Heu auf dem Fußboden ausgeschüttet. Ganz einfach muss das Leben zur damaligen Zeit nicht gewesen sein – Luxus sieht anders aus.

IMG_9761Von der Altburg haben wir einen wunderschönen Blick in die weite Landschaft und auf die Schmidtburg, die wir später noch besichtigen werden. Von der Altburg wandern wir weiter in das Hahnebachtal und erreichen über eine Brücke den Wassererlebnispfad, dem wir bergan durch Wald folgen. Unter uns gurgelt und plätschert der Hahnebach friedlich vor sich hin. An einer Abzweigung folgen wir dem Wegweiser zur Schmidtburg, die nur wenige Minuten entfernt liegt. Ihre Entstehung reicht bis in das Jahr 926 zurück, sie ist einer der ältesten Burgen im Hunsrück. Sie war Sitz der Grafen im Nahegau und wurde später zum Stammsitz der Wildgrafen. Um 1324 erwarb Erzbischof Balduin von Trier die Burg und baute sie zur Festung aus. Über Jahrhunderte verfiel die Burg immer mehr. 1688 sprengten die Franzosen in Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges die Burg, seither ist sie eine Ruine.

„Die größten Ereignisse das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden“. (Friedrich Nietzsche)

IMG_9838Wir kehren wieder zum Soonwaldsteig zurück und treffen auf einen alten Stolleneingang der in den Fels gehauen wurde. Im Hahnebachtal wurde für lange Zeit Erz- und Schieferbergbau betrieben, daran erinnert die Abraumhalde Teufelsrutsch. Die verschiedenen Stationen des Wassererlebnisbades weisen auf einige Besonderheiten des Hahnebachtales hin und wir lesen etwas über die Schleifmühle Götzenau, die neben den Mahlmühlen die Wasserkraft als Energielieferant nutzte. Hier bekamen die Achate auf Sandsteinrädern ihren ganz besonderen schlief. Wegen der zu großen Konkurrenz aus Idar-Oberstein wurde die Mühle eingestellt. Einige Relikte und der Mühlgraben erinnern noch an ihre ehemalige Existenz. Ganz entspannt wandern wir durch das stille, einsame Bachtal. Die Sonne strahlt durch das Blätterdach, unsere Augen sind völlig entspannt und nur auf das wesentliche gerichtet und unser Sehen verbindet sich harmonisch mit dem Rhythmus unserer Schritte.

IMG_9877Nun sind wir im Einklang mit der Natur und mit uns selbst. Wir passieren einen Weiher mit einem schönen Rastplatz an dem wir eine kleine Pause einlegen und die Stille der Natur genießen – Tiefenentspannung pur. Nun geht es immer bergauf, zunächst durch lichten Wald zum Zuweg nach Woppenroth und hinauf zu einer Hochfläche. Trotz der spärlichen Waldmöblierung auf dem Soonwaldsteig, was uns gefällt, finden wir hier ein idyllisches Plätzchen das uns zum weiteren verweilen einlädt, bevor wir zur Hunsrücker Schiefer- und Burgenstraße weiter wandern. Rechterhand erblicken wir die Häuser von Schneppenbach, wir queren die Straße und wandern am Waldrand entlang und steigen aufwärts zum Alten Sportplatz.

IMG_9896Auf einem Forstweg geht es nun durch Laub- und Nadelwald zu einer Wanderhütte. Unser Ziel fest im Visier steigen wir steil bergauf zum „Teufelsfels“. Wie der Blickenstein und die Katzensteine am Lützelsoon-Kamm ist er nicht nur Aussichtspunkt sondern auch Naturdenkmal. Der Teufelsfels (569m) ist nicht nur der größte sondern auch der interessanteste der vier großen Quarzithärtlinge. Aus Sicherheitsgründen kann man ihn  über eine Eisenleiter nicht mehr ersteigen, sie wurde wegen der zu starken Verwitterung des Gesteins entfernt. Zum Glück gibt es ja noch den „Langen Heinrich“, ein Aussichtsturm der in den Jahren 1984 bis 1985 erbaut wurde. Oben angekommen hat man einen 360 Grad-Ausblick über den Hunsrück und die dicht bewaldeten Höhen des Idarwaldes, Hochwaldes, Soonwaldes bis hin zum Donnersberg in der nördlichen Pfalz.

Vom dummen Teufel und der alte Frau

IMG_9882Hier möchte man am liebsten den ganzen Tag verweilen. Vor dem Turm gibt es einen herrlicher Picknickplatz mit langen Tisch und einem wunderschönen Blick in die großartige Landschaft. Hier lässt sich auch die Volkssage von der Frau des Schusters und dem Teufel wundervoll erzählen.  „Vor vielen hundert Jahren viel dem Teufel auf, das keine Menschen aus Bundenbach mehr in die Hölle kamen, darüber war er sehr verärgert und fragte seine Großmutter um Rat. Sie sagte zu ihm, die Menschen von Bundenbach werden wohl eine Kirche gebaut haben und sind nun alle fromm geworden. Er soll sich einen großen Stein besorgen und diesen auf die Kirche werfen, bis sie in Trümmern läge. Der Teufel begab sich sofort auf die Suche nach einem großen Stein und machte sich auf den Weg nach Bundenbach. An diesem Tag war es aber so heiß, dass der Teufel sehr müde wurde.

IMG_9885Auf einer Anhöhe des Gebirges gegenüber dem Ort legte der Teufel eine Rast ein. Da kam eine alte Frau des Weges und war ganz erschrocken als sie den fremden, merkwürdigen Gesellen sah, denn sie hatte den Fremden noch nie zuvor gesehen. Der hat bestimmt nichts Gutes vor, dachte sie bei sich. Der Teufel war aber voller Freude darüber jemanden begegnet zu sein und fragte die alte Frau nach dem Weg nach Bundenbach. Gute Frau könnt ihr mir bitte den Weg nach Bundenbach zeigen? Und wie weit ist es noch bis dahin? Daraufhin öffnete die alte Frau ihren Korb und zeigte auf die Schuhe die sich darin befanden.

IMG_9898Und sagte zu dem Fremden, schaut all diese vielen Schuhe an die ich durchgelaufen habe, um bis hier her zu kommen. Daran seht ihr wie weit es noch bis Bundenbach ist. Was aber der Teufel nicht wissen konnte, dass es sich bei der alten Frau um die Ehefrau des Schusters von Bundenbach handelte und sie auf dem Weg war die Arbeit für ihren Mann einzusammeln. Vor lauter Enttäuschung darüber ließ der Teufel den großen Stein an Ort und Stelle liegen,  der Weg nach Bundenbach war ihm dann doch zu weit. Seit dieser Zeit spricht man von „dummen Teufel“.

IMG_9926Von hier wandern wir auf einem schmalen Pfad über den Bergrücken des Lützelsoons auch kleiner Soon genannt, dessen höchste Erhebung mit 597 Meter die „Womrather Höhe“ ist. Der Weiterweg führt über den Höhenzug und eine Blockschutthalde, hier sollte man genau hinschauen wo man hintritt. Der Wegabschnitt ist mit unzähligen Steinmännchen bevölkert, wie man es sonst nur aus den Bergen kennt. Dann taucht rechts  im Wald der Blickenstein (575 m) auf, wer zu diesem schönen Aussichtspunkt will muss etwa 80 Meter vom Weg abweichen. Wieder zurück auf dem Soonwaldsteig gehen wir links weiter und steigen durch das Simmerbachtal (Kellerbachtal) abwärts bis zur Bundesstraße 421. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Simmerbachbrücke, dem Ende der 2. Etappe auf dem Soonwaldsteig.

 

Schwierigkeitsgrad: mittel

Wegstrecke: 13,3 Km

Gehzeit: 4,30 Stunden

Unterkünfte Bundenbach:

  • Pension Ulrike Theis, 55626 Bundenbach, Telefon: 06544/ 266
  • Privatzimmer Maria Klingels, 55626 Bundenbach, Telefon: 06544/ 1345
  • Ferienwohnung Nörling, 55626 Bundenbach, Telefon: 06544/ 771

Unterkünfte Gemünden:

  • Gemündener Hof, 55490 Gemünden, Telefon: 06765/ 9190
  • Zur grünen Au, 55490 Gehlweiler, Telefon: 06765/ 607

Taxi:

  • Taxi Denzin, 55605 Kirn, Telefon: 06752/ 2700
  • Taxi-Frey/ Familie Quint, Gemünden, Telefon: 06765/ 7592
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