Hunsrück/Nahe

6. Etappe Soonwaldsteig – Vom Jägerhaus nach Bingen

Auch die letzte Etappe auf dem Soonwaldsteig  geizt nicht mit Highlights. Vom Jägerhaus im Binger Wald geht es durch das wildromantische Morgenbachtal mit seinen hohen Felswänden über den Eselspfad zur Burg Rheinstein, zum Damianskopf und zum Prinzenkopf, von dem man großartige Ausblicke auf Bingen und den Mäuseturm hat, bevor es hinunter nach Bingen an den romantischen Rhein geht.

„Schöne Tage –nicht weinen, dass sie vergangen, sondern lächeln, dass sie gewesen“. (Rabindranath Tagore)

IMG_0148Sehr früh sind wir an diesem Morgen aufgestanden und freuen uns auf das Frühstück. Vorher werfen wir noch einen letzten Blick aus dem Fenster und was sehen wir? Helle weiße Wolken, wie lockerer Schaum auf einem Weizenbier, am klaren blauen Himmel, das verspricht ein wunderschöner Wandertag zu werden. Nach dem Frühstück greifen wir nach unseren Rucksäcken und gehen los. Gleich hinter dem Biergarten geht es hinunter zur Brücke über den Morgenbach. Kobolde soll es ja hier geben, haben wir gehört, kaum haben wir es ausgesprochen grinst einer um die Ecke, pfiffig sieht er aus und zeigt in Richtung „Steckeschlääferklamm“. Die Einladung ist verlockend, geben wir ihm zu verstehen, lehnen aber dankend ab, denn wir müssen in die andere Richtung, ins „Morgenbachtal“.

IMG_0160Das Morgenbachtal steht unter Naturschutz und gehört zu den schönsten Nebentäler des Rheins. Der Weg wird zunehmend enger und steiler. Die Vielzahl an Felswänden und Routen, in allen Schwierigkeitsgraden, locken viele Kletterer aus dem Rhein-Main-Gebiet was, verständlicher Weise, den Naturschützern Sorgenfalten auf die Stirne treibt, deshalb gibt es strenge Auflagen, geklettert werden darf nur in den ausgewiesenen Bereichen. Wir erreichen die Schutzhütte Morgenbach, auch hier kann man nach Bingen, zum Schweitzer Haus und zur Burg Rheinstein abkürzen. Wir wandern nun parallel zum Bachlauf und wir saugen noch einmal die einzigartige Szenerie in uns auf, bevor es in die Zivilisation zurück geht. Wir steigen bergauf zum Eselspfad der teilweise mit einem Seil gesichert ist und haben die ersten schönen Ausblicke auf Burg Reichenstein.

Von der Liebe eines Raubritters zu seinen Söhnen. Oder wie Liebe kopflos machen kann!

IMG_0169Die Burg liegt auf einem Felssporn oberhalb von Trechtingshausen, etwa fünf Kilometer rheinabwärts von Bingen. Die über tausendjährige Burg war im Mittelalter ein richtiges Raubritternest. Aber wer glaubt die Ritterzeit wäre schon zu Ende gegangen, der irrt. „Ritterschmaus und Ritteressen“ – das ist nur eine kleine Auswahl an Angeboten auf Burg Reichenstein. Und im Burgmuseum wird die damalige Zeit der Ritter wieder erlebbar und spürbar. Über die Burg ranken sich auch viele Sagen, Legenden und Geschichten, aber gruselig und zum fürchten müssen sie vor allem sein, wie diese von „ Der Mann ohne Kopf“. Der gefürchtete Raubritter von Hohenfels und seine Söhne, so berichtet eine Sage, wurden von König Rudolf von Habsburg durch den Strang verurteilt. Der Vater flehte und bettelte den König um Gnade an, nicht etwa für sich selbst, nein für seine Söhne. Er beteuerte immer wieder die Unschuld seiner Söhne die nur in seinem Auftrag gehandelt hätten. Der König ließ trotzdem alle zum Richtplatz bringen und verfügte ein Gottesurteil. Alle Söhne sollten sich in einer Reihe hinter den Richtklotz stellen und versprach dem Raubritter jeden seiner Söhne zu verschonen, an dem Dietrich nach seiner Vollstreckung vorbeizugehen vermöge. Kaum war der tödliche Schwertstreich vollzogen, geschah etwas unheimliches, der kopflose Ritter stampfte an all seinen Söhnen vorbei und brach dann erst zusammen. Aus seinem Kopfrumpf schoss das Blut einer Fontäne gleich nach oben. Das war dem König unheimlich, er schenkte den Söhnen das Leben und floh von der blutigen Stätte.

IMG_0161Nun wandern wir auf einem Forstweg weiter und biegen in Richtung Burg Rheinstein ab. Über Serpentinen gelangen wir zur Burg, die seit über 35 Jahren in Besitz der Familie Hecher ist. Die Burg ist ihre ganze Leidenschaft, mit viel Engagement und mit der tatkräftigen Unterstützung ihres Fördervereins wurde sie vor dem Zerfall bewahrt und ist heute wieder ein Symbol „Der Rheinromantik“. Ein „APP“ sorgt zusätzlich für frischen Wind in den alten Gemäuern, ab sofort können Informationen über die Burg auf jedes iPhone und iPad geladen werden. Nach einer Besichtigung geht es wieder zurück auf den Soonwaldsteig. Der Weg führt nun oberhalb der Burg bis zu einem kleinen Turm mit einem herrlichen Blick ins Rheintal und auf Assmannshausen.

IMG_0162Nach einiger Zeit erreichen wir das beliebte Ausflugsrestaurant „Schweizer Haus“, mit seiner Streuobstwiese. Kurz entschlossen kehren wir ein und machen es uns draußen im Biergarten gemütlich, schließlich möchten wir den letzten Tag noch in vollen Atemzügen genießen. Nach einer Pause, die etwas länger ausgefallen war wie geplant, geht es auf einem Pfad durch Mischwald mit wunderschönen Ausblicken hinein ins enge Tal des “Poßbaches“, mit seinen hohen Felsen und zum Aussichtspunkt „Damianskopf“. Er liegt 200 Meter abseits vom Weg, von ihm hat man einen freien  Blick auf das Binger Loch und die Weinberge des Rheingaus. Nun liegen keine Steigungen mehr vor uns, in Richtung Bingen geht es nur noch sanft abwärts. Und eher wir uns versehen, haben wir das „Forsthaus Heiligkreuz“ erreicht, das idyllisch im Binger Wald liegt und einst mit saisonalen Wild-Spezialitäten und Holzfeuer Gegrilltem gelockt hat, ist leider geschlossen.

„Bei dir, du Vater Rhein, an deinen Ufern möchte ich sein“ (Unbekannt)

IMG_0172Von hier lohnt sich auch ein Abstecher in die „Kreuzbachklamm“ über die Hängebrücke oder zur „Villa Rustica“, einem römischen Gutshof. Der wurde in den Jahren von 1999 bis 2004 archäologisch untersucht, dabei wurden die Grundmauern des Herrenhauses freigelegt. Die Villa stammt aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Hier arbeiteten und lebten etwa 20 Menschen und es gab mehr als zehn Nebengebäude. Dazu zählten Werkstätten, Ställe und Unterkünfte für Arbeiter und Tagelöhner. Das Auskommen stammte vor allem aus der vielfältigen Waldnutzung, der Viehhaltung und dem Feld- und Obstanbau. Wir wandern weiter Richtung „Prinzenkopf“. Von ihm haben wir einen toller Blick auf den Mäuseturm, das Niederwalddenkmal und zur Burg Rheinstein.

IMG_0190Spätestens jetzt ist uns bewusst das wir am Ziel unserer Wanderung angekommen sind und genießen noch einmal den Augenblick bevor es in den Lärm des Rheintales geht. Wir wandern nun bergab und kommen an einem Gedenkstein für den Förster Peter Dammel vorbei, der genau an dieser Stelle von einem Soldaten einer französischen Besatzungstruppe erschossen worden ist. Über einen Pfad steigen wir weiter abwärts und erreichen die Jugendherberge, die oberhalb der Stadt mit einem herrlichen Blick auf den Rhein und den Mäuseturm liegt. Bevor wir die Heimreise antreten machen wir noch einen Spaziergang durch die Altstadt von Bingen, zum Mäuseturm und zur Burg Klopp.

Resümee

Auf dem Soonwaldsteig sind wir der Natur und uns Selbst wieder ein Stück näher gekommen. Wir haben viele glückliche, schöne Momente erlebt, viele neue Erfahrungen gemacht, viel Zeit zum Reden, zum Nachdenken, zum Träumen und zum seelischen Entrümpeln gehabt. Die Tour wird unvergessen sein.

Der Soonwaldsteig ist ein ganz besonderer Weitwanderweg unter den vielen Angeboten im wachsenden Wandertourismus. Auf den Soonwaldsteig muss der Wanderer sich einlassen. Wer auf ihm wandert lässt sich auf eine Stille ein, fern ab von Siedlungen und Ortschaften. Damit muss der Wanderer zu Recht kommen, denn eine touristische Rundumversorgung gibt es nicht. Der Soonwaldsteig ist ein Geheimtipp unter den vielen Weitwanderwegen in Deutschland. Und jetzt? Jetzt vielleicht nicht mehr!

 

 

Schwierigkeitsgrad: leicht

Gehzeit:  3 Stunden

Wegstrecke: 12 Kilometer

ÖPNV: Regionalbahn Bingen-Koblenz-Trier

Übernachtung:

  • Jägerhaus Bingen, 55413 Bingen/Weiler, Telefon: 06721/159241
  • Jugendherberge Bingen, 55411 Bingen-Bingerbrück, Telefon: 06721/32163

 

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