Bergtouren

Durch das wilde Tschamintal zum Rosengarten – Im Bann von Schlern und Rosengarten

Vor über hundert Jahren schrieb der berühmte deutsche Reise- und Romanschriftsteller Heinrich Noè, dass „nicht ein einziges Tal sämtlicher Kalkalpen gleich schön und wild“ sei wie das Tschamin. Diese schöne Genusswanderung führt in einen malerisch-romantischen Winkel zum Talschuss des Rechten Leger. Im Vordergrund erheben sich bewaldete Hänge bis zur Kammhöhe und im Hintergrund bilden Grasleitenturm, Grasleitenspitzen und Valbonkogel ein einzigartiges Dolomitenpanorama.

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Weißlahnbad ist Ausgangspunkt zur Grasleitenhütte am Kesselkogel, zur Tschafonhütte an der Hammerwand und zur Tierser Alpl Hütte am Übergang vom Schlern zum Rosengarten. Vom Parkplatz Weißlahnbad gehen wir hinunter zur Tschaminer Schwaige und folgen auf der rechten Bachseite der Markierung 3 der steil hinauf zu einem Wirtschaftsweg führt. Nach einer Weile überschreiten wir noch einmal den Tschaminbach und gelangen zu dem malerischen Rechten Leger im Talschuss der von markanten Felspfeilern beherrscht wird.

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Hier machen wir eine kurze Rast und saugen förmlich die einzigartige Szenerie in uns auf. Über einen schmalen Pfad der steil aufwärts und hinein in den markanten Kessel des Bärenlochs führt gelangen wir zu einer Weggabelung. Rechts leitet der Weg zur Grasleitenhütte hin, wir wählen den Weg links, der durch das steile drahtseilversicherte Bärenloch führt. Bald erreichen wir die Hochmulde unter der Roterdspitze und eine Weggabelung, der Weg links führt über einen Höhenweg zum Schlern, wir halten uns rechts und gelangen nach kurzer Zeit zur Tierser-Alpl-Hütte mit ihrem markanten knallroten Dach.

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Die Geschichte der Tierser-Alpl-Hütte  ist verbunden mit der Not der Nachkriegszeit und der Heimatliebe eines jungen Mannes. Max Aichner aus Tiers, der Erbauer des Schutzhauses, stand wie viele junge Leute in den 50er Jahren vor der Alternative: Ohne Arbeit am Hungertuch zu nagen oder Auszuwandern. Aber ein Leben ohne seine Berge konnte er sich einfach nicht vorstellen. Die Idee seines Bruders Franz unter den Rosszähnen eine Schutzhütte zu bauen sah er als letzte Möglichkeit an um aus seiner Not heraus zukommen.

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Daraufhin zog der junge Mann im Jahr 1957 mit einer hölzernen Schubkarre, einer Schaufel und einem Pickel durchs Tschamintal hinauf unter die Rosszähne. Zuvor hatte er von der Gemeinde Tiers 200 Quadratmeter Boden gekauft um seinen Traum zu verwirklichen. Allen Widrigkeiten der Natur trotzend baute er alleine in 2440 Meter Höhe an seiner Hütte. 1963 konnte er endlich das Schutzhaus Tierser  Alpl einweihen. Nur wenige Jahre später eröffnete er den „Maximilian Klettersteig“ und im Jahre 1986 den „Laurenzi-Klettersteig“ den er seiner Frau widmete. Seit fast 20 Jahren führt die zweite Tochter von Max Aichner und ihr Mann das Lebenswerk ihres Vaters mit Begeisterung fort.

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Wir setzen unsere Wanderung fort und blicken noch einmal zur Langkofelgruppe hinüber.  Über drahtseilversicherte Schrofen (Markierung 3a, 554 gelangen wir zum Sattel des Molignon der uns zum Grasleitenkessel hinab führt. Durch einen engen Karschlauch erreichen wir die Grasleitenhütte. Der Bau des Schutzhauses fällt in die klassische Zeit der Gebirgserschließung und wurde im Jahr 1887 von der Sektion Leipzig des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins  erbaut. Die Idee für den Bau stammt von keinen geringeren als vom „Vater des Südtiroler Alpinismus“ Johann Santner, auf den auch die Erstbesteigung des Schlernmassiv zurück geht.

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Hier gaben sich auch berühmte Kletterer wie Paul Preuß und Hans Dülfer ein Stelldichein. Im Gegensatz zu modernen Hütten versprüht die Grasleitenhütte noch einen gewissen Charme vergangener Zeiten. Nicht zuletzt deshalb ist sie bei Bergsteigern und Kletterer so beliebt. Sie ist ein idealer Stützpunkt für Wander- und Klettertouren in der Umgebung. Heute wird sie von Hansjörg Resch und seiner Familie bewirtschaftet. Über einen begrünten Sattel steigen wir hinunter bis zum Auslauf des Bärenlochs und setzen unseren Weg über den Rechten Leger weiter fort bis zu unserem Ausgangspunkt. Die Tour gehört zu den schönsten im Tschamintal. Unzählige Male bin ich die Tour hinauf zur Tierser Alpl Hütte gewandert und doch ist sie immer wieder faszinierend, erlebnisreich und immer wieder ganz anders.

 

Schwierigkeitsgrad: schwer

Ausgangspunkt:

Weißlahnbad im Tierser Tal

Gehzeiten:

Weißlahnbad-Tierser Alpl-Hütte 3,30 Stunden; Grasleitenhütte 1,30 Stunden; Weißlahnbad 2 Stunden. Gesamtzeit:  7 Stunden

Übergänge:

Schlernhaus 1,45 Stunden, Plattkofelhütte 2 Stunden, Rifugio d`Antermoia 3 Stunden, Vajolethütte 2,30 Stunden.

Gipfeltouren:

Großer Rosszahn und Roterdspitze (Maximilian-Kletetrsteig) 1,30 Stunden ab Tierser Alpl-Hütte, Kesselkogel-Klettersteig von Grasleitenhütte 2,30 Stunden.

Karte: Tabacco 1:25 000, Blatt 029, Schlern-Rosengarten-Latemar

 

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