Das Rifugio Torre die Pisa am Latemarkamm steht genau auf der Provinzgrenze von Trentino und Südtirol. Benannt wurde es von einem nahen Felsturm der noch schiefer ist wie sein toskanisches Pendant. Am Latemar geht es etwas ruhiger zu, keine Massen von Tagesausflüglern, es liegt vor allem am brüchigen Fels warum der Latemar von Kletterern  gemieden wird und der Wanderer hingegen sucht die Wege auf der Südseite des Latemar. Die Tour führt mitten hinein in eine bizarre Felslandschaft von Zacken und Türmen die ihres gleichen sucht.

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Es ist ein wunderschöner Morgen als wir nach Obereggen aufbrechen. Am Karersee ist es um diese Zeit noch still. Die ersten Kioskbetreiber kommen erst um 8 Uhr, es halten noch keine Busse, die Straße ist von Autos noch nicht zugeparkt, noch ist es still am See, es ist die Zeit wo das Dolomitenjuwel noch einmal durchatmen kann, bevor der Lärm der Touristen den Zauber brechen. Am Ufer stehen grüne hochgewachsene Fichten und im Hintergrund ragen die kühlen, bleichen Felsorgeln des Latemar in den blauen Morgenhimmel. Karerforst und Latemarwände bilden eine malerische Symbiose. Und vom See dringt die uralte Ladinische Sage von der Seejungfrau zu uns herauf, die den Regenbogen zu sich hinab gezogen haben soll. „Lec de ergobando“, Regenbogensee, ist sein Ladinischer Name. Vielleicht ist es ja der betörende Gesang der wunderschönen Seejungfrau der die Touristen in Scharen anlockt. Wir hingegen suchen etwas stillere Gefilde.

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Mit dem Oberholzlift überwinden wir die ersten 500 Höhenmeter mühelos nach Oberholz.  Nach 50 Metern kommen wir zu einer Weggabelung und schlagen den Weg Nr. 18 ein der uns durch eine steile Mulde zum Höhenweg Nr.22 hinleitet. Auf ihm gelangen wir nach zweihundert Meter zu einer Abzweigung vom Weg Nr.18 und steigen in östlicher Richtung über einen steilen Grashang und begrünte Schrofen gegen die Wände des Eggentaler Horns aufwärts. Nach kurzer Zeit erreichen wir den Gamsstall und durchschreiten etwas später ein beeindruckendes, wildes Labyrinth aus Türmen, Zinnen und Blöcken und gelangen am Ende zu einer Felsgasse mit kleinem See. Durch eine Rinne erreichen wir die Gamsstallscharte auf 2560 Meter. Von hier blicken wir auf eine weite, öde Felslandschaft des Valsordakessel, das Farbenspektrum reduziert sich auf Graunuancen und Himmelblau und ist doch irgendwie von kühler, grauer Schönheit.

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Von hier schweift unser Blick auf den höchsten Felszacken des Latemar, die Latemarspitze  und rechts von ihm lugt sein Nachbar der Christomannosturm hervor. Wir folgen dem Querweg 516 in südlicher Richtung hinauf und gelangen über Schutthänge unterhalb der Cima di Valsorda  in einen Felskessel. Aus diesem steigen wir hinauf zur Forcella Valsorda mit einem herrlichen Blick auf das Latemarfenster „Porta del Latemar“ und auf den schiefen Felsturm „Torre di Pisa“. Über einen steilen Felsgrad gelangen wir hinauf zum Gipfel des Cima Cavignon und zum Rifugio Torre di Pisa (Latemarhütte). Von der Hütte haben wir einen herrlichen Blick bis in die östlichen Dolomiten und zur Adamellogruppe.

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Die Hütte wurde in achtjähriger und mühevoller Arbeit von der Familie Gabrielli  errichtet und ist die einzige bewirtschaftete Schutzhütte im Latemargebiet. In spätsommerlicher Stille ferngeschaut, treten wir den Abstieg über Geröll, Schotter und Grashänge hinunter zur Meierlalm  (Markierung 22/23) und zum Oberholzlift an. Ein wunderschöner Tag neigt sich dem Ende, mit viel Panorama, Stille, bizarr und wild geformten Felsformationen.

 

Schwierigkeitsgrad: schwer

Ausgangspunkt:

Obereggen, Talstation des Sesselliftes nach Oberholz

Gehzeiten:

Aufstieg ab Oberholz 2,30 bis 3 Stunden, Gesamt: 5 Stunden

Übergänge:

Bivacco Latemar 1,15 Stunden, Bivacco Rigatti ohne/mit Klettersteig 2 bis 3 Stunden,

Gipfeltouren:

Cima Valsorda 1 Stunde,Reiterjochspitze 1,30 Stunden, Diamantiditurm 2,30 Stunden

Variante:

Die Tour kann auch in umgekehrter Richtung begangen werden.

Karte:

Tabacco 1:25 00, Blatt 029, Rosengarten-Latemar-Regglberg

 

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