Autofahrer die von Idar- Oberstein nach Bad Kreuznach unterwegs sind lassen die kleine liebenswerte und lebendige  Stadt an der Nahe meistens links liegen obwohl sie viel Sehenswertes zu bieten hat. Die Stadt mit ihren 8500 Einwohnern liegt eingebettet vom Nahe- und Hahnebachtal  am südwestlichen Rand des Hunsrücks, zu Füßen der Kyrburg.

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen[…]“

Kirn – das lebendige Nahetalstädtchen

IMG_9584Der Name Kirn stammt wahrscheinlich von dem keltischen Wort „Kyr“ ab, was so viel wie Wasser bedeutet. Selbstverständlich ist das Wasser von Nahe und vom Hahnebach gemeint, was der Stadt auch ihren Namen gab. Beide Gewässer waren wichtige Transportwege, für den Fischfang, für den Antrieb der Getreidemühlen, zum Gerben des Leders, für das Vieh, die Landwirtschaft und das Brauen von Bier. Im Jahr 841 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt, das bezeugen Urkunden im Kloster Fulda. 1767 erhielt Kirn eine städtische Verfassung und 1857 die Stadtrechte. Lange Zeit wurde Kirn von den Wild- und Rheingrafen beherrscht und fiel durch die Beschlüsse des Wiener Kongress an die Preußen. Ein Jahrhundert zuvor regierten zwischen durch auch die Franzosen die Stadt. Seit dem 18. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre war die Stadt einer der größten Zentren der Lederindustrie in Deutschland und Europa. Bereits im Mittelalter wurde hier Leder hergestellt und verarbeitet. Heute ist die Stadt das mittlere Zentrum an der Nahe.

IMG_9569Einen halben oder besser, einen ganzen Tag sollte man sich Zeit nehmen für das Nahetalstädtchen zu besichtigen, denn es gibt nicht nur historisch interessantes zu sehen sondern auch zu erleben.  „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“  und „ Reisen veredelt wunderbar den Geist […]“, was bereits Dichterfürst Goethe und  Schriftsteller Oscar Wilde vortrefflich auf den Punkt brachten. Ein Spaziergang um den Kirner Marktplatz führt uns zu einem Gebäude-Ensemble aus fünf Jahrhunderten. Neben vielen Fachwerkhäusern findet man auch herrschaftliche Häuser der Fürstenfamilie von Salm-Kyrburg. Eines dieser Gebäude ist das „Schloss Amalienlust“, das Fürst Friedrich III. als Sommerresidenz für seine Schwester Amalie von Hohenzollern-Sigmaringen im französischen Stil erbauen ließ. Teile der Gebäude fielen später leider dem Bau der Rhein-Nahe-Bahn zum Opfer.

Die Kyrburg und der Herr des Whiskys

IMG_9593Die Kyrburg wurde um das Jahr 960 vom Gaugrafen Emicho erbaut und ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Kirn. Sie hat eine bewegte Geschichte hinter sich und wurde 1734 von den Franzosen zerstört. Von einem hochgelegenen Aussichtspunkt der Burg hat man einen weiten Blick über Kirn, das Nahetal bis in die Höhenlagen des südlichen Hunsrücks. Das nach der Zerstörung erbaute Wachhaus beherbergt heute ein Restaurant, von dessen Terrasse man einen grandiosen Ausblick über Kirn und das Nahetal hat. In einem tiefen Gewölbekeller unter der Burg ist ein ganz besonderer Schatz zu finden, dessen Farben von einem wasserklaren „Glen Kalla“ bis zum schwarzen „Loch Dhu“ reichen. Kenner dieses Getränks werden es bereits erraten haben, es handelt sich um Whisky.

IMG_9617Das Whiskymuseum beherbergt einer der größten Whiskysammlungen in Deutschland und man kann mehr als 3500 Whiskyflaschen bestaunen. Darunter befinden sich bekannte und  seltene Marken aus Schottland, Irland, USA und Kanada aber auch aus der damaligen DDR, Israel, der Türkei und Indien. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt eindeutig auf dem bernsteinfarbenen Getränk, dem „Single Malt Whiskys“ aus Schottland, dass der Inhaber, Horst Kroll,  in seiner Zeit als Koch mitbrachte und lieben gelernt hat. Jedes Jahr werden auf der Burg mehrere Whisky-Tastings durchgeführt. Bei Dudelsackmusik und Lagerfeuer kommt die richtige Stimmung auf und nach einem genussreichen schottischen Drei-Gang-Menü geht es hinab ins Whiskymuseum, wo kein Whisky seinem Schicksal entgeht. Denn wie lautet ein Schottisches Sprichwort: „Ein Glas ist fabelhaft, zwei sind zu viel, drei sind zu wenig“, man sollte dabei nur eine Regel beherzigen: There are only two rules for drinking whisky. First, never take whisky without water, and second, never take water without whisky. 

Kirner Brauerei – Braukunst und Lebensart

IMG_9607Die Kirner Brauerei in der Kallenfelser Straße kann auf eine lange Tradition zurück blicken und ist seit über 200 Jahren hier ansässig. Das Familienunternehmen wird von Eberhard Andres geleitet und gehört zu den wichtigsten Braustätten in Rheinland-Pfalz. Im Jahr werden 80.000 Hektoliter (800 000 Liter) Fassbier ausgestoßen. Das beliebte Bier wird in 1.400 Gaststätten in der Hunsrück-Nahe Region, im Rhein-Main Gebiet und im Raum Trier ausgeschenkt. Alles begann um das Jahr 1798, als der Kirner Gastwirt Jakob Andres die Idee hatte, die für den Eigenbedarf gebrauten Biere auch anderen Gaststätten anzubieten. Die Nachfahren Philip und Carl Andres in der dritten Generation erwarben die kurfürstliche Kellerei und gründeten im Jahr 1862 die Andres Bierbrauerei und Mälzerei. Das Wappen der Fürstenfamilie Salm-Kyrburg das die Kellerei ziert ist heute noch das Markenzeichen der Firma. Die Brauerei gehört zu den „Freien Brauer“, einer Gemeinschaft führender, unabhängiger Familienbrauereien in Deutschland, Österreich, Luxemburg und den Niederlanden.

Kirn die Stadt des Leders – Eine Reminiszenz

IMG_9563Leder gehört zu den ältesten Materialien das der Mensch verwendete, die Einsatzmöglichkeiten waren fast unbegrenzt und die Herstellung sehr aufwendig. In Kirn wurde seit dem Mittelalter Leder hergestellt. Sie war vom 18. bis ins 20. Jahrhundert das Zentrum der Lederindustrie. Das letzten Gerberhaus in der Kirner Innenstadt stammt aus dem 19. Jahrhundert. Hier wurden die gegerbten Häute nach der Reinigung auf die Trockenböden gebracht und aufgehängt. Die Läden wurden hochgestellt damit der Wind kräftig durchwehen und das Leder trocknen konnte. Auch die wenigen Walkfässer erinnern noch an diese Zeit. In rotierenden Fässer wurden die Felle enthaart, gegerbt und nach weiteren Arbeitsschritten zu fertigem Leder verarbeitet und gefärbt. Nicht mehr viel ist von der einst blühenden und bedeutenden Lederindustrie zu sehen. Durch die Verlagerung der Produktionsstandorte nahm die Bedeutung  der Lederindustrie ab. Heute gibt es nur noch wenige bedeutende Firmensitze der Kleinwarenlederherstellung in Kirn. Aber das kleine Städtchen hat noch mehr zu bieten. Fahr mal hin!

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