Einst war die Burg Blankenheim Stammsitz einer der mächtigsten Grafengeschlechter der Eifel – der Grafen von Blankenheim. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ging die Herrschaft von Graf Gerhard VIII auf Dietrich III. von Manderscheid über. Dieser ließ um 1468 eine technisch einzigartige Fernwasserleitung zur Burg Blankenheim bauen.

IMG_4559Die 1997 wiederentdeckte Anlage die archäologisch untersucht wurde ist benannt nach dem Tiergarten, ein zwischen Quelle und Burg gelegenen bewaldeten Bergrücken, durch den ein Tunnel das Wasser direkt zur Burg leitete. Grund für den Bau der Anlage war, dass sich die Burgbewohner bis zu diesem Zeitpunkt mit abgestandenen Regenwasser aus einer Zisterne versorgten. Aufgrund des geringen Gefälles zwischen der ein Kilometer langen entfernten „Alten Quelle“ und der Burg war man gezwungen eine kurze Trasse zu bauen, was einen komplizierten technischen Wasserleitungsbau zu Folge hatte. Die aus sogenannten „Deicheln“ gebaute Wasserleitung hatte ihren Ausgang an der „Alten Quelle“. Der Leitungsabschnitt wurde nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren (Druckleitung) durch ein 13 Meter tiefes Tal geführt.

IMG_4563An diesem wurde ein 80 Meter langer Zulaufgraben angeschlossen der in den Tiergartentunnel mündete. Dieser führte 150 Meter durch den Bergrücken, der von der Quelle und der Burg getrennt war. Das Durchschittsgefälle zwischen Zulaufgraben und Tunnel betrug 1,56%. Der Tunnelbau wurde in der „Quanatbauweise“ erstellt, einer traditionellen Frischwasserförderung in Wüstengebieten, dabei handelt es sich um Wasserstollen die Trink- und Nutzwasser aus höheren Bergregionen beziehen. Der Tunnelbau wurde in 6 Abschnitten, von zwei Tunnelmundlöcher und 5 zwischen ihnen liegenden Bauschächten durchgeführt. Die Schächte IV und V hatten eine Tiefe von 15 und 7 Meter und wurden nach der archäologischen Ausgrabung wieder auf gemauert. Das Tunnelmundloch im Süden wurde rekonstruiert und dient heute als Zugang zu Tunnel. Der Tiergartentunnel ist ein seltener und einzigartiger mittelalterlicher Tunnelbau. Die Wasserleitung endete im Anschluss an die Tunnelstrecke in einem Wasserbehälter der über ein Volumen von 80 m ³ verfügte. Dieser Tunnelbau war für die damalige Zeit eine technische Meisterleistung.

Auf dem 19 km langen Tiergartentunnel-Wanderweg erschließt sich für den Wanderer ein in Europa einzigartiges technikhistorisches Denkmal.

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